Briefe aus der Vergangenheit

Das Lüner Klosterarchiv hütete jahrhundertelang einen (fast) unentdeckten Schatz. Etwa zwischen 1460 und 1555 kopierten Nonnen aus dem Konvent fast 1800 Briefe. Sie legten damit quasi eine Sicherungskopie ihrer Korrespondenz an. Die Abschriften wurden zu drei umfangreichen Handschriften zusammengebunden. Der abgebildete älteste Codex umfasst allein fast 450 Texte auf über 1200 Seiten. Die insgesamt 34 Lagen aus Hadernpapier wurden mit einem sogenannten Koperteinband, bestehend aus mehreren Blättern einer älteren, nicht mehr benötigten Pergamenthandschrift zu einem Band gebunden.

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Autorinnen der ausgehenden Briefe waren nicht etwa nur die Priorin oder weitere Amtsträgerinnen. Es finden sich auch Briefe von Nonnen oder sogar auch von Klosterschülerinnen. Die Inhalte sind vielfältig. Sie reichen von eher formaler Geschäftskorrespondenz mit der Saline in Lüneburg über Schreiben an andere Lüneburger Klöster bis hin zu Briefen von Novizinnen an ihre Familien.

Geschrieben wurden die Texte sowohl auf Niederdeutsch als auch auf Latein. Manche Texte wechseln auch zwischen beiden Sprachen. Dies wirft ein neues Licht auf den hohen Bildungsgrad der Benediktinerinnen von Lüne. Die Bildung machte sie selbstbewußt und stark. Beides war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Beweggrund für den langanhaltenden (weiblichen) Widerstand gegen die lutherischen Reformatoren und damit auch eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Lüneburger Klöster bis heute.