Das Kloster Lüne

Das Kloster Lüne zählt zu den belebten – seit Annahme der Reformation evangelischen – Klöstern und Stiften Niedersachsens.

Der Ursprung

Die Geschichte dieses Ortes beginnt um 1150/60 mit einer bescheidenen Einsiedelei. Aus dem Jahr 1157 ist die Weihe einer steinernen Kapelle belegt. Als 1170 eine Gruppe frommer Frauen den Bischof von Verden um sein Einverständnis bat, eine Klostergemeinschaft gründen zu dürfen, wurde dieser Bitte stattgegeben und den Frauen Grund und Boden bei jener Kapelle zugewiesen. In der Chronik finden sich Hinweise, dass der Konvent seit 1272 nach der Regel des heiligen Benedikt lebte und sich in der Zwischenzeit wesentlich erweitert hatte.

Zerstörung und Wiederaufbau

Ein großer Brand 1372 führte zur fast vollständigen Zerstörung der Klosteranlage. Doch sofort wurde mit dem Wiederaufbau des Klosters auf den alten Grundmauern begonnen. Schon 1420 waren Klausurviereck und Klosterkirche fertig gestellt, die bis heute ihr mittelalterliches Gesicht bewahrt haben. In den nachfolgenden Jahrzehnten gelang es dem Kloster, seinen Besitz erheblich zu mehren. Es besaß zum Beispiel nach dem Michaeliskloster die meisten Anteile an der Lüneburger Saline.

Katholisch-bischöfliche Reform und Erweiterung

Die sogenannte Bursfelder Reform von 1481 brachte neben einer erneuten Blütezeit mancherlei Veränderungen. Der Konvent vergrößerte sich wiederum und dies führte zu einer Erweiterung der Klosteranlage und der Kirche. Neue Formen der Liturgie bestimmten das geistliche Leben. Im Sinne von ora et labora – bete und arbeite – wurde Handarbeit als „Gottes-Dienst“ angesehen, und so entstand eine zweite bedeutende Epoche der klösterlichen Stickkunst. Ein Großteil der kostbaren textilen Kunstwerke, die im klostereigenen Museum zu sehen sind, stammt aus dieser Zeit.

Reformation und Folgezeit

Herzog Ernst „der Bekenner“ (1497 – 1546) von Braunschweig-Lüneburg bekannte sich zur Reformation Martin Luthers und bemühte sich seit 1525 um die Verbreitung der neuen Lehre in seinen Landen.
Am Sonntag, den 26. April 1528, fand in der Klosterkirche Lüne auf seine Veranlassung der erste Gottesdienst mit einer Predigt reformatorischen Inhaltes und mit in deutscher Sprache gesungenen Psalmen statt.
Dem durch hohe Schulden belasteten Herzog lag nicht nur daran, den Klosterfrauen die neue Lehre aufzuzwingen, sondern sich auch der reichen Klostergüter zu bemächtigen.
Erbitterter Widerstand führte dazu, dass es über 50 Jahre dauerte bis der Konvent sich zur Reformation bekannte, wobei noch lange Zeit an überlieferten katholischen Traditionen festgehalten wurde.
Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts kam eine vertiefte evangelische Frömmigkeit auf. Dabei blieb das Kloster weiter ein Ort religiöser Gemeinschaft mit kirchlichem und sozialem Engagement und wurde gleichermaßen bis in das 20. Jahrhundert hinein eine standesgemäße Einrichtung für die unverheirateten Töchter des landsässigen Adels und der Ritterschaft.
Heute sind es selbständige Frauen, die sich mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung gern in die Konvente einbringen, um evangelisch-klösterliche Tradition zu erhalten, die wertvollen Kunstschätze der Vergangenheit zu pflegen und durch sie die christliche Botschaft lebendig in die Gegenwart zu vermitteln.

Nach reformatorischer Auffassung bestand die Aufgabe der Klöster weiterhin darin, sozial, kirchlich, pädagogisch und kulturell tätig zu sein, Aufgaben, denen sich der Konvent bis heute widmet.